
Vom Chaos ins Licht
Zu den Werken von Gabriele Schneider
In den Malereien von Gabriele Schneider durchdringen sich Formen, Farben und Licht. Farbwirbel tanzen auf den Flächen, zuweilen konterkariert von sich ergießenden Farbstrukturen. Die Leinwand scheint in Bewegung zu sein, in jeder Farbspur drückt sich immense Lebendigkeit aus. Die Malereien leuchten, als seien sie mit Licht gemalt. Prächtige Farbvaleurs, meist in Rot, Orange oder Blau und Grün, laden die Werke stark emotional auf und machen sie unmittelbar sinnlich erfahrbar. Den Malereien ist etwas rhythmisches zueigen, fast als ob sich im Duktus Musik ausdrückt.
Gabriele Schneider hat für sich das kleine Format gewählt. Ihre Bildsprache sprengt jedoch jedwede Begrenzung, die Malereien dehnen sich im Raum aus und avancieren in der sinnlichen Erfahrung der sich ausbreitenden Farbe, die regelhaft haptisch erfahrbar ist, zum großen Format. Den Bildern ist trotz der Abstraktion etwas Persönliches zu Eigen, etwas Privates. Fragmenten der Erinnerung und Gedankensprüngen gleichend, gehen sie ein vieldeutiges Beziehungsgeflecht mit der Welt des Betrachters ein.
Für ihre malerischen Dialoge zwischen Form, Farbe und Gestus hat Gabriele Schneider eine eigene Technik entwickelt, die am ehesten als „Leinwand in Bewegung“ beschrieben werden könnte. Ein besonders dramaturgisches Verfahren wendet Gabriele Schneider bei ausgewählten Werken an, sie beleuchtet diese von hinten, so dass die Malereien transparent werden. Das Spannungsgeflecht, das nun zwischen Farbe und Form entsteht, lässt das kleine Format völlig hinter sich. Die Malereien breiten sich wortwörtlich im Raum aus.
Gabriele Schneiders künstlerische Praxis ließe sich am ehesten mit einer dramaturgischen Inszenierung beschreiben. Das bildliche Geschehen wird nicht von außen bestimmt, sondern bildet die Verlaufsformen der Bildsprache selbst. Im Gegensatz zur Logik und Grammatik erschließt Gabriele Schneider ihre Malereien von innen und erschafft so eine spektakuläre Poesie.
Dr. Stefanie Luci, Art Affairs
Düsseldorf, November 2025